Wombats

Artikel vom 4.1.2024 in der Gießener Allgemeinen, Autorin: Annette Spiller, Foto: Schepp

Ein veganes Café in einem Gießener Kleingartenverein?

Gibt’s bald im KGV der Gartenfreunde Waldbrunnenweg.

Dort gestaltet Irina Rohe das Vereinsheim in ein gemütliches Wohnzimmer um.

Freut sich unbändig auf ihre Gäste: Irina Rohe hantiert in ihrem Café im Vereinsheim des Kleingartenvereins Waldbrunnenweg an der Kaffeemaschine.

– Helles Laminat, zwei cremefarbene gepolsterte Ohrensessel und ein Sofa mit Couchtisch. Quadratische Holztische, weiß-graue Stühlen, ein einladender Thekenbereich – und ein noch leerer Küchenraum: Beim Pressebesuch Anfang Dezember war klar, dass noch einiges an Arbeit vor Irina Rohe, der frischgebackenen Pächterin des Vereinsheims im Waldbrunnenweg 15, lag. Aber wo die Reise hingeht mit Wombats Café, ist klar: Auf dem Gelände der Gartenfreunde Waldbrunnenweg entsteht das wohl erste rein vegane Café in der Stadt, mit handgemachten Kuchen, Torten, Teilchen und Quiche. Am 18. Januar ist Eröffnung im grünen Herzen Gießens.

Gartenfreunde Waldbrunnenweg freuen sich auf Café Wombats

Wieso Wombats Café? »Mein Lieblingstier« sagt Irina über den niedlichen australischen Beutelsäuger, der kuschelige Höhlen baut und dort Besuch empfängt – wenn das nicht passt. Als die Nutzungsänderung durch war, ging es los mit Renovierung und Gestaltung der Café-Räume. Irina und ihre Freunde haben fast alles selbst gemacht. »Ich weiß nicht, wie lange ich an den Holzpaletten für die Theke geschliffen habe«, sagt die junge Frau, die vor Energie sprüht. »Ich backe gefühlt schon immer. Habe viel experimentiert und Vertrauen in meine Backkunst aufgebaut.« Seit über zehn Jahren lebt sie vegan – und schon lange gab es da diesen Traum vom eigenen Café, den sie nun in die Tat umsetzt.

Café Wombats Gießen: Jeden Tag andere vegane Torten

Und warum im Kleingartenverein? Ein Freund von ihr ist im Vorstand, auf einer Parzelle hilft sie mit – so wurde aus ihrer Idee eine Anfrage. »Ich habe mich beim Vorstand mit Torte und Kuchen vorgestellt« – ein Volltreffer: »Alles war ratzfatz aufgegessen«, erinnert sich Hugo Gerhardt, der 1. Vorsitzende. Ein Kleingartenverein sei im Übrigen von Natur aus vegan, meint er: »Nichts anderes bauen wir an, ernten und essen es. Von daher passt das gut zu uns«.

Zum Studium der Ökotrophologie und Ernährungswissenschaften war die gebürtige Büdingerin 2013 nach Gießen gekommen. Mit Beginn der Corona-Zeit hat sie ihr Studium abgeschlossen, wollte gern unter Menschen arbeiten. Als Schülerin und Studentin habe sie nebenbei im Gastrobereich gejobbt – früher im Restaurant »Kleines Häusers« und ab 2020 im veganen »Veganatural« im Schiffenberger Weg. »Gastro ist meins«, sagt sie.

Café-Chefin Irina freut sich auf Gäste im Waldbrunnenweg

Gerne backt Irina Klassiker wie Schwarzwälder Kirschtorte, Bienenstich, Muffins, Hefeschnecken mit Zimtfüllung – »und alles Mögliche mit Schokolade«. Sie kreiert oft Neues, ist offen für Inspiration durch ihre Gäste. Das Angebot wird ständig wechseln, auch nach Saison – »wenn es Blaubeeren im Garten gibt, mach’ ich Blaubeertorte.« Da könnten sich Synergieeffekte mit den Gärtnern ergeben, auch in der Zucchini-Zeit (»für Quiche«). Wichtig ist Irina, zu zeigen, dass vegan nicht Vollkorn und Verzicht heißt, sondern Geschmack und Qualität. Den Ersatz nicht-veganer Zutaten nennt sie unproblematisch: »Margarine ist meist vegan und kann zu fluffiger ›Buttercreme‹ weiterverarbeitet werden. Ei kann man oft weglassen oder ersetzen.« Etwa durch Kichererbsenmehl für Quiche, die sie mit Seidentofu backt.

Donnerstag ist Spieletag im Gießener Café Wombats

»Ich liebe Kaffee« – Irina ist wichtig, woher das Produkt Kaffee kommt, dass der Weg vom Produzenten zum Konsumenten nachhaltig und transparent ist. Bei den Kaffeemaschinenprofis aus Linden ist sie fündig geworden, hat eine Barista-Schulung absolviert und wird ihren Kaffee dort beziehen. »Was Kleines, Lokales – das passt zu mir«, sagt sie. Es wird auch eine eigene Variante für den Laden geben: Die Wombats-Röstung. Schokoladig-dunkler Geschmack – mehr wird nicht verraten. Americano, Cappuccino, Flat White und mehr bietet sie an. Ansonsten sind heiße Schokolade auf der Karte, Tee, Proteinshakes, Kaltgetränke. Irina freut sich auf Gäste aus dem Verein ebenso wie auf externe Besucher – die Lage am Schwanenteich-Gebiet dürfte ideal sein für die Location.

Zwei Angestellte werden Irina zu den Öffnungszeiten donnerstags bis montags von 10 bis 18 Uhr unterstützen, während sie vor Ort backt. 20 bis 25 Plätze gibt es in den beiden Räumen – »Und später vielleicht im Wintergarten zehn weitere.« Im Sommer soll man auch draußen sitzen können. Donnerstag ist Spieletag mit Brettspielen zum Ausleihen. Zudem kann sich Irina Lesungen, Vorträge, Ausstellungen und Musik vorstellen. Das Wombats soll aber vor allem eines sein: ein Raum zum Entschleunigen und Verweilen, Genießen und Kommunizieren. »Eine schöne Zeit mit meinem Team und den Gästen zu haben« – das wünscht sich die Chefin ab dem 18. Januar.

Café Wombats: Gießener Verein sieht Win-Win-Situation

Hugo Gerhardt, 1. Vorsitzender des KGV Gartenfreunde Waldbrunnenweg, sieht eine Win-Win-Situation: »Das Vereinsheim stand überwiegend leer. Nun kann sich unsere Mitgärtnerin Irina dort verwirklichen. Vereinsmitglieder können das Haus weiter für Feiern nutzen. Und der Verein hat über die Pacht eine kontinuierliche Einnahme.« Ein veganes Café mache den Verein ein wenig besonders – »es gibt schon gute Resonanz bei den Mitgliedern und aus anderen Gartenvereinen, die zum Kaffee trinken vorbeikommen wollen.« Um Kommunikation gehe es auch vielen jüngeren Leuten im Verein. Das Café könne da ein Magnet sein. (wombatscafe.de)